Der Moment

Da saß ich nun. Unter mir spürte ich die endlose Kraft des Indischen Ozeans, die mich und mein Surfbrett angenehm in den Wellen schaukelte. Über mir sah ich rote Wolken, die durch das Licht der aufgehenden Sonne gefärbt wurden. Der Wind, der von der Insel kam, brachte Düfte mit sich, die nach Sand und Salz rochen. Plötzlich schrie unser balinesischer Surflehrer voller Aufregung: „Wave is comming, Wave is comming!“
Ich blickte in die erschrockenen und gleichzeitig freudigen Gesichter meine Surfbuddys. Sie deuteten mir, dass diese Welle mir gehöre. Ich legte mich flach auf mein rotes Surfbrett und fing an Richtung Strand zu paddeln. „Paddle faster, Paddle faster“, schrie mein Surfinstructor. Kurz darauf fühlte ich die Urgewalt der sich hinter mir aufbauenden Wasserwand. Das Geräusch glich  einem heranrasenden LKW. Jetzt musste es schnell gehen. Mit einem Ruck richtete ich mich auf. Nachdem Jubel meiner Surfbuddys wurde es von einem Moment auf den anderen still. Sowohl unter und hinter mir war die Welle und mittendrin stand ich, in leicht hockender Haltung, auf meinem blutroten Surfbrett. Die Welt um mich herum hatte sich verlangsamt. Es gab kein Gestern und kein Morgen, nur diesen einen Moment.

In meinen Workshops erzähle ich diese Geschichte gerne, denn wenn ich sie live erzähle, ist die Wirkung auf die Zuhörerinnen spürbar. Manche Münder sind weit offen, über einige Gesichter zieht sich ein breites Lächeln und bei vielen habe ich das Gefühl, sie stellen sich vor selbst auf einem Surfboard zu stehen.

Das Geschichtenerzählen hat etwas magisches an sich und lange Zeit war uns nicht bewusst was dahinter steckt. Wissenschaftliche Untersuchungen enthüllen einen Teil dieser Magie und zeigen, dass Storytelling tief in uns verwurzelt ist. Im folgenden Artikel wirst du 4 Gründe erfahren, warum Storytelling eine der besten Kommunikationsmethoden ist, um deine Zuhörer zu fesseln.

Erster Grund – Wir sind ein Teil der Geschichte

MRT-Untersuchungen haben gezeigt, dass wenn wir die alltägliche Sprache verwenden, nur Regionen im Gehirn aktiviert werden, die für Sprachverarbeitung zuständig sind. Diese werden Broca-Areal und Wernicke-Areal genannt. Salopp gesagt, unser Gehirn ist in einem einfachen Gespräch unterfordert. Deswegen ist unsere Aufmerksamkeitsspanne bei Vorträgen und Konversationen die nur aus Fakten bestehen, kurz. Uns wird schnell langweilig. Eine Studie aus der Princeton Universität[1] hat jedoch gezeigt, dass eine gut erzählte Geschichte alle Hirnregionen aktiviert, die unsere Wahrnehmungen verarbeitet. Kurz gesagt, das Gehirn kann nicht zwischen Realität und gutem Storytelling unterscheiden. Deswegen hören wir oft von Menschen, es hat sich angefühlt, wie als wäre ich ein Teil der Geschichte gewesen.“

Zweiter Grund – Wir gehen auf eine gemeinsame Reise

Kennst du diese Stimmung bei einem Konzert oder im Theater, wenn eine Künstlerin eine wirklich gute Story erzählt und du dich ganz verbunden fühlst. Das kommt davon, dass sich unsere Gehirnwellen, beim Zuhören einer Geschichte, synchronisieren. Dabei werden dieselben Areale im Gehirn des Storytellers und des Zuhörers aktiviert. Wir gehen auf eine gemeinsame Reise.

Wenn du mehr über Storytelling lernen möchtest, dann kann ich dir das großartige Buch resonate von Nancy Duarte* empfehlen. Nancy entschlüsselt die Erfolgsfaktoren von großen Rednern und wie diese das Geschichtenerzählen verwenden.

 

Dritter Grund – Die Idee stammt von dir?

Uri Hasson und sein Team in Princeton fanden heraus, dass das Storytelling die Gehirnregion des Zuhörers aktiviert, die für Ideengenerierung verantwortlich ist.[2] Das bedeutet, wenn du jemanden eine gute Geschichte erzählst und darin eine Idee verpackst, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenüber glaubt, die Idee stamme von ihm.

Vierter Grund – Glücklich durch Storytelling

Während dem Storytelling werden die Glückshormone Oxytocin und Dopamin freigesetzt. Dies macht uns nicht nur glücklich, es hilft uns das Erzählte sich einfacher zu merken. Ein Beispiel: Wenn du den letzten Satz ließt, wird Folgendes passieren. Du wirst dich sofort an das Ereignis erinnern, du wirst in Gedanken versinken und hoffentlich ein Glücksgefühl erleben. Bereit? Erzähle mir von deinem ersten leidenschaftlichen Kuss.

Übung

Wenn du auf den Geschmack gekommen bist und bewusst Storytelling in deiner Kommunikation anwenden möchtest, dann habe ich folgenden Tipp für dich.

Beschreibe alle Sinneseindrücke deiner Geschichte beim Storytelling. Wie sieht die Szene aus, was fühlst du, was riechst du und was können deine Ohren wahrnehmen. Wenn du dir meine Geschichte vom Anfang noch einmal durchliest, wirst du bemerken, dass ich genau so meine Story aufgebaut habe.

Erzähle mir von deinen Erfahrungen. Hast du die Eigenschaften vom Storytellings erlebt? Schreib deine Nachricht in die Kommentare und teile deine Meinung.
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Neugierig geworden

In meinem letzten Blog, erkläre ich, wie du die Aufmerksamkeit deines Publikums um ein vielfaches steigern kannst. Warum die Sonne im Westen ausgeht und wie du die Neugierde deines Publikums steigerst?

[1] „Speaker-listener neural coupling underlies successful communication“ – Greg J. Stephens, Lauren J. Silbert, and Uri Hasson – 2010
[2] www.psychologytoday.com – Joshua Gowin, Ph.D – 2011

 

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