„Lasse Storytelling dein Feuer sein und Ideen werden sich in den Geist deiner Zuhörer einbrennen.“ 

Das Stück, welches du gerade gesehen hast, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Oper Rienzi. 1842 uraufgeführt handelt die Oper vom Leben des Cola di Rienzo, einem römischen Tribun, der sich für sein Volk eingesetzt hat. Das Stück wurde von Richard Wagner, einem der einflussreichsten Komponisten seiner Zeit komponiert. Die meisten seine Opern handeln von germanischen Göttern, Rittern, Walküren und Riesen. Es sind klassische Geschichten über Gut und Böse.

Im folgenden Artikel möchte ich dir anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen und Beispielen zeigen, wie Geschichten Einfluss auf unsere Geschichte und unseren Charakter haben können.

Adolfus Schicklgruber

Linz, 1905. August Kubizek und sein sechzehn Jahre alter Freund Adolfus Schicklgruber kommen gerade aus der Oper heraus. Für vier Stunden saßen sie in der Dunkelheit und bestaunten eine Aufführung von Wagners Rienzi. Beide sind beeindruckt von der Geschichte und den Heldentaten der Charaktere. Nach einem kurzen Spaziergang nehmen sie auf einer Brücke an der Seitenmauer Platz. Die Beine über der Donau baumelnd, blicken beide in ihre verschwommenen Spiegelbilder, welche im vorbeifließenden Wasser auf die beiden Jungs zurückstarren. August sieht es seinem Freund Adolfus deutlich an: die Oper hat ihn verändert. Er konnte nicht ahnen wie sehr Adolfus an diesem Tag geprägt wurde. Als sich die beiden viele Jahre später trafen, sagte Adolfus zu August: „In jener Stunde begann es!“. Zu dieser Zeit kannte die Welt Adolfus nur noch als Adolf Hitler.

Hitler verehrte den Komponisten Richard Wagner. Er wusste alles über seine Werke und sein Leben. Wagner war jedoch nicht nur ein genialer Komponist, er war auch ein Nationalist und Antisemit. Er schrieb Texte über eine Endlösung für die Juden, lange vor den Nazis. Historiker sind sich heute einig, Wagner und seine Geschichten, hatte einen großen Einfluss auf Hitlers Charakter.

Religionen sind Geschichten

Mohandas Karamchand Gandhi, besser bekannt als Mahatma Gandhi wuchs in einem streng gläubigen Haushalt auf. Seine Familie praktizierte den Vishnuismus, eine Form des Hinduismus, der auf strikte Gewaltlosigkeit im Alltag beruht. Weiters war sein Elternhaus tolerant gegenüber anderen Religionen. Hier lagen die Ursprünge von Gandhis späteren Überzeugungen. Wenn wir uns Religionen genau ansehen, dann sind Bücher wie die Bibel oder der Koran, Ansammlungen von vielen unterschiedlichen Geschichten und Metaphern, die wiederum Werte, Moral und Regeln transportieren.

Was Komponisten, Schriftsteller, Priester und Schamanen längst wussten, sollten Psychologen später beweisen. Wenn wir Geschichten auf der großen Leinwand sehen, sie lesen oder hören, dann sind wir empfänglicher für die darin enthaltenen Botschaften.

Storymarmelade

Der Schriftsteller Somerset Maugham [2] sagte, dass Storyteller metaphorisch Medizin mit Marmelade vermischen. Wie Kinder die ihre bittere Medizin nicht hinunterschlucken wollen, packen Geschichtenerzähler die Botschaft in „Storymarmelade“. Wir konsumieren die süße Marmelade und merken gar nicht, dass wir die bittere Medizin, die Botschaft der Geschichte, mit hinunterschlucken. Aber der Einfluss von Storys geht noch einen Schritt weiter.

Vielen unterschiedliche Süßigkeiten
Süßigkeiten

Die Emotionen einer Erzählung sind hoch ansteckend. Psychologen [1] haben herausgefunden das Fiktion unsere tiefsten Glaubenssätze verändern kann. Wir wissen heute, wenn Erwachsene oder Kinder eine gewalttätige Sendung im Fernsehen sehen, verhalten sie sich danach aggressiver.

Manipulation durch Storytelling

Wenn wir eine fiktive Welt betreten, ändert sich die Art wie wir Informationen aufnehmen. Je weiter wir in die Geschichte eintauchen, desto leichter kann uns eine Geschichte verändern. [3] Untersuchungen zeigen, dass Menschen die besonders tief in einer Story versinken, sogenannte Handlungslücken weniger oft bemerken.

Darin steckt eine wichtige Botschaft. Wenn wir Zeitungsartikel oder nicht Fiktion lesen, dann ist unser Intellekt und unsere mentalen Schutzmechanismen aktiviert. Wir hinterfragen und sind kritisch der Nachricht gegenüber. Jedoch, wenn wir in eine Geschichte eintauchen, dann werden diese Schutzmechanismen gelockert und wir sind den Glaubenssätzen der Story „ausgeliefert“.

In diesem Bereich gibt es noch viel zu erforschen, aber wir werden Tag täglich mit Geschichten überhäuft. Filme, Werbung, Youtube, Social Media, Reality-TV uvm. Kaum jemand hinterfragt woher die Geschichten kommen und welchen Zweck sie verfolgen. Eine nach der anderen, können Storys unser Weltbild und unseren Charakter verändern. Es ist wie mit dem Fluss und dem Berg. Langsam aber sicher bahnt sich das Wasser seinen Weg durch den harten Stein.

Wenn du noch mehr über Storytelling und die Einflüsse auf unsere Gesellschaft erfahren möchtest, dann lege ich dir Jonathan Gottschall akribisch recherchiertes Buch The Storytelling Animal – How stories make us human ans Herz. Jonathans Werk hat maßgeblich zu diesem Artikel beigetragen.

Übung

Nimm dir einen Stift und Papier zur Hand und drehe deinen Fernseher auf. Fange an durch das Programm zu zappen. Werbung, Reality-TV, Serien uvm. Wir werden mit Geschichten täglich überhäuft. Schreib dir die darin enthaltenen Botschaften auf. Z.B. sind Automobilwerbungen häufig mit Gefühlen verbunden und erzählen eine kurze Geschichte. Bierwerbungen finden oft auf Partys statt, bei denen Mann und Frau sich ganz leicht kennenlernen können. Hier wird einem soziale Freiheit verkauft. Sieh dir die einzelnen Sendungen bewusst an und schreib dir die unterschwelligen Botschaften auf. Das hilft dir, ein Bewusstsein für das Gesehene zu entwickeln und dementsprechend darauf zu reagieren.

Achtung!

Mit diesen Worten möchte ich eine Warnung aussprechen. Hitler nannte sich den „größten Schauspieler“ Europas. Im Propaganda Film Triumph des Willens, kannst du sehen wie gut Hitler darin war, sich zu inszenieren. Begleitet von der Musik Richard Wagners konnte er durch das neue Medium des Films, eine ganze Nation täuschen. Als David Bowie den Film sah, nannte er Hitler den ersten großen Rockstar: „Er war kein Politiker. Er machte ein ganzes Land zu seiner Bühnenshow.“

Eines sollte dir klar sein, die Geschichten die du konsumierst, werden zu einem Teil von dir.

Welche Geschichten haben dich besonders beeinflusst? Schreib mir deine Erfahrungen, Filme, Musik oder Bücher in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht.

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Neugierig geworden

In meinem letzten Artikel schreibe wie du mit der richtigen Strategie und Motivation, nahezu jedes deiner Ziele erreichen kannst. Wie jeder zur Weltspitze in seinem Bereich aufsteigen kann!

[1] Raymond Mar 2008, „Effects of Reading on Knowledge, Social Abilities and Selfhood.“
[2] Somerset Maugham 1969, “Ten Novels and Their Authors”
[3] Melanie Green and Timothy Brock 2000, “The Role of Transportation in the Persuasiveness of Public Narratives.”

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